Dirndlkleid aus dem Volkskunsthaus Wallach
Dirndlkleid aus dem Volkskunsthaus Wallach
Leinen und Baumwolle, um 1935
Münchner Stadtmuseum
Zur Prinzregentenzeit, grob gesagt in den Jahren um 1900, wurde die Trachtenkleidung konfektioniert. Es gab sie jetzt von der Stange. Moden insgesamt sind seriell, sonst kämen sie nicht in Mode.
Zu den führenden Adressen Münchens zählte das Volkstrachtengeschäft von Julius Wallach, im Jahr 1900 an der Lindwurmstraße gegründet, später an der Residenzstraße vergrößert. Mit seinen Brüdern betrieb Wallach auch ein „Haus für Volkskunst und Tracht“, in dem das Einkaufen zu einem Akt der Brauchtums-pflege wurde. Die Produktionsstätten der Firma Wallach Werkstätten AG mit Webereien, Färbereien und Textildruckereien lagen in Dachau.
Wie auch bei Isidor Bach, dem „Joppenkönig“ an der Sendlinger Straße, dem Münchner Stadtmuseum gegenüber, handelte es sich um jüdische Unternehmer. Ihre Trachtengeschäfte wurden im Jahr 1938 „arisiert“, das heißt zwangsenteignet. Die Familien wurden zur Flucht ins Ausland gezwungen oder in Konzentrationslager verschleppt und ermordet.