Monika Huber

Von 1985 an bis 2010 befasste ich mich künstlerisch mit Kernfragen bildnerischen Denkens und arbeitete im Feld der konkreten Malerei. 1986, ein Jahr nach meinem Studium bei Günter Fruhtrunk, wurde ich mit dem Stipendium der Stadt München gefördert. Im barock-geprägten München blieb meine konkrete Kunst jedoch ein Solitär. Für die Munich Re konnte ich 1995 eine der ersten unterirdischen Kunst-Passagen realisieren. In mehreren Museums-Einzelausstelllungen wurden meine Arbeiten außerhalb Münchens gezeigt. Unbemerkt blieb in der Stadt, dass ich mich als Künstlerin für zwei Kinder entschieden habe – mein Münchner Atelier blieb in dieser Zeit ein wichtiger Rückzugsort für mein Kunstschaffen. In den folgenden 15 Jahren blieb ich in der Stadt unsichtbar - ein systemisches Symptom für die Rolle als Künstlerin in den 90er Jahren. 

2011, bewegt durch die neue Bildsprache der Nachrichten-Berichterstattung über den Arabischen Frühling, entschied ich mich für eine Zäsur in meiner künstlerischen Arbeit und ich begann mit dem Aufbau des ARCHIVS EINSDREISSIG. In diesem Archiv speichere ich Nachrichtenbilder von Protest, Krieg, Gewalt und deren Folgen. Es umfasst aktuell ca. 42.000 Bilder und legt eine Bild-Grammatik der Nachrichtenberichterstattung offen; gleichzeitig führt es durch eine Dekade gesellschaftlicher und politischer Veränderungen. Das Haus der Kunst zeigte 2012 in der Ausstellung BILD GEGEN BILD die ersten fotografischen Arbeiten aus dem Archiv. Dieses ist für mich mittlerweile Werkzeug der Informationserfassung, als auch Teil meines künstlerischen Prozesses geworden. Aus dem Bildmaterial des Archivs heraus entstehen Fotografien, Videoarbeiten und Installationen, wie 2014 im MaximiliansForum in München zu den Protesten im Gezipark in der Türkei.

Als Künstlerin begreife ich künstlerische Arbeit als aktive politische Teilhabe in einer Gesellschaft. Von München, die Adolf Hitler als „Hauptstadt der Bewegung“ bezeichnete, Ort der Parteigründung der NSDAP und ebenso Ort des Hitler-Putsches 1923 war, erwarte ich mir weiterhin ein klares Nein zu Demokratie zersetzenden Parteien. Denn die Gegenwart zeigt uns bereits heute, dass Demokratie keine statische Gewissheit ist, sondern täglich neu verhandelt werden muss.

Mai 2024, Monika Huber 

Farbfoto im Querfomat. Zu sehen ist eine gering beleuchtete U- oder S-Bahn- Zwischenetage. Der Blick wird schräg nach rechts auf eine große Fotokunstinstallation in einer Art Vitrine geführt. Darin sind 12 hinterleuchtete im hochkant-Format aufgenommene Fotografien zu sehen. Links und rechts davon befinden sich je ein Trägerelement, die jeweils mit einem Leuchtkasten umfasst wurden.